Eine Alternative „Prime Directive“

DirectiveMancher Facilitator von Retrospektiven beginnt diese mit dem Verlesen des obersten Grundsatzes für Retrospektiven, der sogenannten „Prime Directive“. Diese wurde von Norman Kerth in seinem Buch „Project Retrospectives“ das erste Mal beschrieben. Dieser Grundsatz soll dabei helfen, den Boden für die Retrospektive zu bereiten. Ins Deutsche übersetzt lautet dieser oberste Grundsatz in etwa:

Unabhängig davon was wir heute entdecken, verstehen und glauben wir aufrichtig, dass in der gegebenen Situation, mit dem verfügbaren Wissen und Ressourcen und unseren individuellen Fähigkeiten, jede(r) sein bestes getan hat.

Viele Retrospektiven Facilitatoren schwören auf die „Prime Directive“. Sie sind der Meinung das Retrospektiven, die nicht mit diesem obersten Grundsatz starten weniger effektiv sind und nicht so nützlich. Um es kurz zu machen: Ich glaube persönlich nicht daran, dass der Erfolg oder das Ergebnis einer Retrospektive von der „Prime Directive“ abhängt. Ich habe schon sehr viele erfolgreiche Retrospektiven geleitet, bei der dieser oberste Grundsatz nicht explizit erwähnt wurde. Ich will damit nicht sagen, dass dieser Grundsatz keine gute Sache ist. Gerade in neuen Teams oder bei Teams die ihre erste Retrospektive erleben, kann das Verlesen des Grundsatzes einen positiven Effekt haben. In meiner Erfahrung nutzt sich der Effekt allerdings ab, wenn man die Direktive bei jeder Retrospektive vorliest. Das ist so ähnlich wie die Sicherheitsbelehrungen vor einem Flug. Wenn man das erste Mal fliegt, verfolgt man diese Belehrung mit höchster Aufmerksamkeit, bei den nächsten Flügen wird es weniger, bis man am Ende gar nicht mehr darauf achtet.

Seit Anfang des Jahres gibt es einen alternativen obersten Grundsatz von Ted M. Young, der zwar etwas länger ist, für manche Teams aber vielleicht besser funktioniert. Mir persönlich gefällt vor allem, dass es in der Ich-Form geschrieben ist und einen somit noch mehr anspricht. Zumindest ging es mir so, als ich ihn zum ersten Mal gelesen habe. Leider liegt auch dieser Alternativvorschlag nur in Englisch vor. In Deutsch lautet er in etwa:

Manche Tage sind besser als andere. An manchen Tagen bin ich im „Flow“ und mache herausragende Arbeit. An manchen Tagen realisiere ich am Ende des Tages, dass ich eine Menge Zeit verschwendet habe, Fehler gemacht habe die ich hätte voraussehen können oder bei denen ich manches anders hätte machen können. Ungeachtet dessen, das es diese Tage gab ist unser Ziel hier diese Fragen zu beantworten:

– Was können wir aus unseren vergangenen Taten und Gedanken lernen, dass unsere zukünftigen Taten und Gedanken beeinflusst, so dass wir etwas besser werden?

– Wie können wir unsere Umgebung verändern („das System“), so dass es uns einfacher fällt herausragende Arbeit zu machen und es weniger wahrscheinlich ist, dass wir unsere Zeit verschwenden und Fehler machen?

Die Originalversion findet ihr auf Ted’s Blog. Im Gegensatz zur originalen „Prime Directive“, enthält dieser Grundsatz auch das Ziel einer Retrospektive und macht klar, um was es eigentlich geht. Aber auch diese Alternative ist nur ein Werkzeug und noch lange kein Garant für eine gelungene Retrospektive. Ich möchte Euch ans Herzen legen, mit beiden Direktiven zu experimentieren und sich selbst ein Bild zu machen, welche Auswirkungen es auf eure Retrospektiven hat.

Ein Gedanke zu „Eine Alternative „Prime Directive“

  1. Pingback: Wie bekomme ich offenere Retrospektiven? | Retrofibel

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