Intro

Schon bei meinem ersten Kontakt mit agilen Methoden hatten es mir die Retrospektiven besonders angetan. Für mich waren sie von Anfang an der Inbegriff des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Außerdem machte es mir großen Spaß diese Meetings zu moderieren. Wie viele andere musste ich allerdings feststellen, dass nach ein paar Monaten die Luft draußen war. Die tollen Ergebnisse und Verbesserungen die wir am Anfang damit erzielt hatten wurden immer weniger, bis wir am Ende das Gefühl hatten immer über die gleichen Dinge zu diskutieren. Irgendwie standen wir auf der Stelle und kamen nicht weiter. Gleichzeitig sank die Lust der Teammitglieder an diesem Meeting teilzunehmen. Warum auch? Ein Meeting ohne Ergebnisse ist reine Zeitverschwendung. Das war eine ziemlich frustrierende Erfahrung. Meine erste Offenbarung erlebte ich dann, als ich das Retrospektiven Buch von Esther Derby und Diana Larsen in die Finger bekommen habe. Endlich hatte ich eine konkrete Vorstellung, wie diese Meetings ablaufen sollten. Die verschiedenen Phasen und dazugehörigen Aktivitäten halfen mir, bessere Retrospektiven durchzuführen. Die Ergebnisse wurden besser und auch das Team war wieder mit im Boot. Leider hielt auch diese Phase nicht lange an und bald war ich in der gleichen Situation wie zuvor. In den folgenden Jahren nahm dieses Thema einen wichtigen Stellenwert bei mir ein, ich lernte ständig neue Dinge dazu und entwickelte eigene Ideen. Mittlerweile meine ich zu wissen auf was es bei einer guten Retrospektive ankommt und wie man es vermeiden kann in die oben genannte Situation zu kommen.

Aus meiner Sicht sind Retrospektiven eine der tragenden Säulen einer erfolgreichen agilen Transition und eines der besten Werkzeuge, um die notwendigen kulturellen Veränderungen in einer Organisation zu bewerkstelligen. Aber nicht nur im agilen Kontext können Retrospektiven eine wertvolle Hilfe sein. Auch in allgemeinen Change Management Initiativen können sie einen wichtigen Beitrag leisten und ein wichtiges Change Management Instrument sein. Im traditionellen Projektmanagement finden Sie ihre Verwendung z.B. in „Lessons Learnt“ Workshops. Retrospektiven sind immer dann ein sinnvolles Werkzeug, wenn es darum geht das Vergangene zu reflektieren und darauf basierend mögliche Veränderungen zu erarbeiten. Am besten macht man das iterativ, aber auch einmalige Veranstaltungen können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Natürlich kann man Retrospektiven auch im privaten Umfeld einsetzen. Sei es eine Silvesterretrospektive mit der Familie am Ende des Jahres oder im Verein z.B. nach dem Jahreskonzert. Warum sollte man einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess nur in seinem beruflichen Umfeld etablieren? Retrospektiven sind schließlich für alle da.

Obwohl Retrospektiven ein wichtiges Instrument sind, werden sie oft nur stiefmütterlich behandelt. Leider bin ich schon oft Zeuge von unterirdischen Retrospektiven geworden. Sei es, weil sie im „Zombie Modus“ abgehalten worden sind, schlecht moderiert und vorbereitet wurden oder schlicht keine Struktur hatten. Zu einer guten Retrospektive gehört mehr. Eine gute Retrospektive macht Spaß, ist abwechslungsreich, hat ein klares Ziel, ist sinnvoll und berücksichtigt das System in dem das Team agiert. Berücksichtigt man diese Dinge, ist man auf einem guten Weg.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


sieben − = 4

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>